Entwicklung und Diagnostik des frühen Spracherwerbs im dialektalen Sprachraum
Erste Resultate des Projekts LAVA (Language Acquisition across Varieties in the Alemannic Area)
DOI:
https://doi.org/10.57161/z2026-08-08Schlagwörter:
Sprachentwicklung, Grammatik, Dialekt, DiagnostikAbstract
Mangels spezifischer Tests für die schweizerdeutsche Grammatikentwicklung werden die Kompetenzen von Deutschschweizer Kindern mit standarddeutschen Verfahren eingeschätzt, obwohl die Kinder vorwiegend Dialekt sprechen. Eine Teilstichprobe des LAVA-Projekts zeigt: Dreijährige können Dialekt und Standarddeutsch meist noch nicht unterscheiden und brechen Grammatiktests oft ab. Ab etwa vier Jahren sind standardisierte Testungen möglich, jedoch vor allem im Dialekt. Selbst Fünfjährige erzielen in standarddeutschen Tests deutlich tiefere Ergebnisse als in der dialektalen Übersetzung. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass standardisierte Grammatiktestungen, insbesondere in Standarddeutsch, in der frühen Kindheit mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Literaturhinweise
Bohnert-Kraus, M. & Kehrein, R. (Hrsg.) (2020). Dialekt und Logopädie. Olms.
Bohnert-Kraus, M., Feil, S., Kaiser, I., Willi, A. P., Fritsche, S. & Müller, J. (2020). Unterscheidungsfähigkeit und Einstellung: Wie gehen Kinder mit Dialekt und Standardsprache um? Logopädie Schweiz, 3, 16–26.
Christen, H., Ender, A. & Kehrein, R. (2020). Sprachliche Variation in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. In M. Bohnert-Kraus & R. Kehrein (Hrsg.), Dialekt und Logopädie (S. 83–136). Olms.
Eiche, J. & Henauer, K. (2020). Kasuskompetenz von Deutschschweizer Kindern. In M. Bohnert-Kraus & R. Kehrein (Hrsg.), Dialekt und Logopädie (S. 199–224). Olms.
Hartmann, E., Till, C., Winkes, J. & Rindlisbacher, B. (2020). Entwicklung des schweizerdeutschen und hochdeutschen Satzverständnisses bei Kindern mit Schweizerdeutsch als Erstsprache. In M. Bohnert-Kraus & R. Kehrein (Hrsg.), Dialekt und Logopädie (S. 333–362). Olms.
Kauschke, C. (2012). Kindlicher Spracherwerb im Deutschen: Verläufe, Forschungsmethoden, Erklärungsansätze. De Gruyter. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110283891
Lüdtke, U., Ehlert, H., Gaigulo, D. & Bornman, J. (2023). Research on the methodology of LSA with preschool children: A scoping review. Clinical Archives of Communication Disorders, 8 (2), 29–46. https://doi.org/10.21849/cacd.2022.00738 DOI: https://doi.org/10.21849/cacd.2022.00738
Szagun, G. (2019). Sprachentwicklung beim Kind (7. Aufl.). Beltz.
Theodorou, E., Kambanaros, M. & Grohmann, K. K. (2016). Diagnosing bilectal children with SLI: Determination of identification accuracy. Clinical Linguistics & Phonetics, 30 (12), 925–943. https://doi.org/10.1080/02699206.2016.1182591 DOI: https://doi.org/10.1080/02699206.2016.1182591
Ulrich, T. (2017). Grammatikerwerb und grammatische Störungen im Kindesalter. Ergebnisse des Forschungsprojekts GED 4–9 und ihre Implikationen für sprachdiagnostische und -therapeutische Methoden. Habilitation. Universität zu Köln.
Zimmermann-Stübe, A. & Bohnert-Kraus, M. (2026). Zwei Krokodils und drü Fuessball: Ergebnisse des Initialprojektes VarEA zum Pluralerwerb im Alemannischen. In S. Oberholzer & N. Adam-Graf (Hrsg.), Dialekt in Gesellschaft und Schule: Variation und Wandel in Gebrauch und Wahrnehmung des Alemannischen (S. 307–325). Steiner.




