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to issue Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik

Demokratie braucht alle

Thomas Wetter

DOI: https://doi.org/10.57161/z2026-07-00

Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, Jg. 32, 07/2026

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Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Prozesse gefährdet sind. Demokratiefeindliche Gruppierungen und rechtspopulistische Kräfte verbreiten durch Desinformationen und Propaganda Unsicherheit und Angst. Eine Politik der Ausgrenzung erstarkt (Graf, 2026). Ausgegrenzt werden nicht nur Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Ethnie, Religion oder Geschlechtsidentität, sondern auch Menschen mit Behinderungen.

Deshalb ist es wichtig, bestehende Formen der Ausgrenzung sichtbar zu machen und Inklusion konsequent mitzudenken. Dies zeigt auch die Kampagne «Umdenken. Für uns Menschen» von Pro Infirmis. Sie macht darauf aufmerksam, dass Menschen mit Behinderungen noch immer vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Auf den Plakaten werden statt Menschen mit Behinderungen Menschen ohne Behinderungen «gelabelt». Pro Infirmis fordert, Inklusion von Anfang an mitzudenken, um eine Gesellschaft zu schaffen, die für alle Menschen offen ist – nicht nur für Menschen ohne Behinderungen.

Eine inklusive politische Teilhabe muss über die blosse formale Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen hinausgehen und tatsächliche Möglichkeiten zur Mitgestaltung eröffnen. Im Kontext der Inklusion sprechen wir häufig von «Teilhabe». Doch Teilhabe allein greift zu kurz. Es geht nicht nur darum, Menschen Zugang zu einer bestehenden Gesellschaft zu ermöglichen. Vielmehr geht es auch um Teilgabe (Krauthausen, 2023): Menschen mit Behinderungen sollen Gesellschaft und Politik aktiv mitgestalten können. Erst wenn sie nicht nur teilnehmen, sondern auch beitragen, mitentscheiden und verantwortungsbewusst handeln, wird aus Teilhabe echtes Teil-Sein.

Eine solche Form der politischen Teilhabe setzt jedoch voraus, dass bereits früh Möglichkeiten geschaffen werden, demokratische Prozesse kennenzulernen, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und Mitgestaltung zu erproben. Damit kommt der Schule und insbesondere der politischen Bildung eine zentrale Bedeutung zu. Auch der Lehrplan 21 thematisiert politische Bildung, Partizipation und Menschenrechte. Dadurch lässt sich die politische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen nicht nur gesellschaftlich und rechtlich, sondern auch bildungspolitisch begründen. Eine inklusive Schule sollte ein Übungsraum für politische Bildung sein. Wenn Kinder und Jugendliche früh erleben, dass Verschiedenheit selbstverständlich ist und unterschiedliche Perspektiven gehört werden, entwickeln sie ein Verständnis für Pluralität und demokratische Prozesse. Eine Gesellschaft, die Vielfalt anerkennt und lebt, entsteht nicht erst im Erwachsenenalter, sondern wird von klein auf gelernt.

Die vorliegende Zeitschriftenausgabe vertieft verschiedene Aspekte der politischen Teilhabe. Es wird aufgezeigt, in welchen Bereichen physische, digitale und mentale Barrieren abgebaut werden müssen, damit alle Menschen in unserer Gesellschaft ihren Platz finden. Denn Demokratie lebt von der Vielfalt der Stimmen. Damit sie sich weiterentwickeln kann, braucht es die Beteiligung möglichst vieler, wenn möglich aller.

Thomas Wetter

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

SZH/CSPS

thomas.wetter@szh.ch

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