Übergänge: zwischen Vorhersehbarkeit und Unerwartetem

Michael Blank

DOI: https://doi.org/10.57161/z2026-05-00

Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, Jg. 32, 05/2026

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Der Begriff «Übergang» hat verschiedene Bedeutungen. In dieser Ausgabe meint «Übergang» das, was der Duden als «Wechsel zu etwas anderem» beschreibt. Es geht sowohl um normative Übergänge im Leben (z. B. Klassenwechsel, Beginn einer neuen Ausbildung) als auch um unerwartete Veränderungen oder Brüche in einer Biografie, die einen Übergang zur Folge haben (z. B. Wohnortswechsel, Krankheit). Als typische Verbindungen mit dem Wort «Übergang» führt der Duden Begriffe wie «reibungslos», «sanft» oder «fliessend» auf. In der Realität sehen Übergänge aber für viele Menschen anders aus: Sie sind oft mit Stress, Unsicherheit und Ängsten verbunden.

Zentral für alle Lernenden ist der Übergang von der obligatorischen Schulzeit in die nachobligatorische Bildung (Sek II). Darauf verweist das bildungspolitische Ziel, wonach 95 Prozent der 25-Jährigen in der Schweiz einen Sek-II-Abschluss haben sollten. Laut dem Bildungsbericht 2026 wird dieses Ziel aber immer weiter verfehlt: Die Quote ist in den letzten Jahren auf rund 90 Prozent gesunken. Ob Lernende einen Sek-II-Abschluss erreichen, scheint stark beeinflusst zu sein von ihrem Ausbildungstyp im Alter von 15 Jahren. Dabei gilt wenig überraschend: Je höher der Ausbildungstyp, desto grösser die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss. Am deutlichsten zeigt sich diese Wirkung auf der Ebene der Sonderschule: Nur knapp die Hälfte der separativ unterrichteten Schüler:innen hat im Alter von 25 Jahren einen Abschluss auf Sekundarstufe II.

Der Übergang in die nachobligatorische Bildung ist für junge Menschen zentral, aber auch herausfordernd. Der Beitrag von Sahli Lozano et al. (2026) in dieser Ausgabe zeigt beispielsweise, inwiefern integrative schulische Massnahmen wie reduzierte individuelle Lernziele (RILZ) und Nachteilsausgleich (NAG) diesen Übergang beeinflussen. Ein weiterer Artikel thematisiert, wie psychische Probleme die Chancen auf dem Lehrstellenmarkt verschlechtern (Neuenschwander & Meister, 2026). Und auch die Ausbildung in einer Sonderschule, Förderklasse oder in einer Regelschule mit Grundanforderungen kann einen negativen Einfluss auf diese Chancen haben.

Andere Faktoren können den Übergang in die nachobligatorische Bildung erleichtern, wie etwa sozio-emotionale Kompetenzen (ebd.). Hengartner et al. (2026) erörtern die Bedeutung von überfachlichen Kompetenzen für Übergänge. Die migrationsbedingte Mehrsprachigkeit von Lernenden könnte Übergänge positiv beeinflussen, wird heute aber immer noch oft wie ein Problem behandelt (Niehaus, 2026).

Übergänge sind nicht immer vorhersehbar. Neben dem Wechsel von der Schule in die berufliche Bildung gibt es Übergänge, die unerwartet oder abrupt kommen. In die letztere Kategorie gehören beispielsweise die Rückkehr von einem Klinikaufenthalt in die Schule (Langnickel et al., 2026) oder auch die Reintegration in die Stammklasse nach einem Timeout (Annen, 2026). Ob vorhersehbar oder unerwartet: Übergänge sind nie einfach, begleitet von verschiedenen Herausforderungen und deshalb immer mehr als nur ein «Wechsel zu etwas anderem».

Michael Blank

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

SZH/CSPS

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